Holperig

Was für ein Wort! Ich spüre förmlich die Steine, die Stolpersteine. Mal rund, mal – noch unangenehmer – spitz. Kein Weg, um in Gedanken zu versinken, gleich gar nicht zum Träumen. Ich muss aufpassen, mich in Acht nehmen oder einfach nur aufmerksam sein.

Das Jahr hat für mich ziemlich holperig begonnen. Das Gestolpere durch die Welt lässt mich nur schwerlich bei mir sein. Das Bei-Mir-Sein muss ich mir stets von Neuem erringen.

Draußen war mehrmals Glatteis. Ausrutschen statt stolpern. Eigentlich das Gegegenteil. Der Effekt ist ähnlich: Wenn ich nicht konzentriert genug bin, also bei mir bin, dann falle ich auf die Nase. Das tut weh und kann ziemlich nachhaltige Folgen haben.

Letztlich birgt dieses Geholpere (Das Wort muss man sich einfach mal auf der Zunge zergehen lassen!), auch eine Chance aufzuwachen. Nicht weiter im vertrauten Strom schwimmen. Das kostet Kraft und Anstrengung. Die Belohnung: Neue Sichten, neue Fähigkeiten – im besten Fall. Doch dazu muss ich wach genug sein. Und nicht nur froh sein, alles einigermaßen unversehrt überstanden zu haben.

Letztlich muß ich tiefer blicken. Holprige Wege verweisen auf Erosionen unterhalb, unter den nicht mehr glatten Decken. Im Persönlichen wie im Großen Ganzen.

Diese, meine, unsere große Welt ist inzwischen nicht mehr nur holperig. Ich erlebe sie inzwischen als ziemlich eruptiv. Gefährlich eruptiv. Wird es gelingen, die Aufwach-Chance zu nutzen? Wird es gelingen, neu zu ordnen, Positionen wirklich zu klären…

Meine Holperwege sind wie die Asphaltbeläge nach Eis und Schnee: Es ist zu ahnen, was drunter passiert sein könnte. Und ich hoffe, dass es nicht allzu schlimm ist. Wieder ein Stück Flickenteppich oder Grunderneuerung…?

Wintersonne und lange Schatten

Ostwestlich (16) Störfelder

Wir reden miteinander. Und wir reden aneinander vorbei. Im besten Fall merken wir es. Oder eben auch nicht. Das wahrscheinlich häufiger. Bei der Ost-West-Begegnung habe ich den Eindruck, dass das Aneinandervorbei sehr häufig passiert. Ich erlebe Stoerfelder, die eher im Unterbewussten ihr Unwesen treiben.

Jede(r) hat da so seine Strategie damit umzugehen. Vorausgesetzt ich bin mir dieser Problematik bewusst. Im Westen Deutschlands scheint mir das eher selten der Fall zu sein. Wenn Störungen auftreten, wird meist in die große Kiste der geläufigen Ostvorurteile gegriffen. Da gibt es, scheint mir, immer etwas Passendes. “Man” weiß ja Bescheid.

Im Osten des Landes ist es mit der Bewusstheit für das Problem des Aneinander-Vorbeiredens auch nicht viel besser. Schließlich sind wir schon mehr als 30 Jahre ein Volk. “Nun hör doch endlich auf damit!”

Nein, ich will nicht damit aufhören. Nein, weil meine Sehnsucht nach einem wirklichen Miteinanderreden – und einem verständnisvollem Verstehen zu groß ist.

Wir haben 40 Jahre in grundverschiedenen sozialen Systemen gelebt. Der Umgang im sozialen Umfeld war sehr verschieden. Das soziale Verständnis auch. Frauen hatten im Osten selbstverständlich alle Freiheiten, die sicher im Umsetzen auch nicht immer gelungen waren. Wir hatten sie Jahrzehnte früher als der Westen. Wer so aufgewachsen ist, agiert anders in der Welt. Nur so, zum Beispiel. Standesdünkel gab es auch im Osten. Aber überhaupt nicht vergleichbar mit dem in der westlichen Welt. Wir bringen alle unsere eingeübten Verhaltensweisen mit. Sie sind oft sehr verschieden.

Nur zwei Beispiele, die Aufzählung lässt sich endlos fortsetzen. Gerade beidseits in den Familien wurden andere Werte vermittelt, gelebt – weil eben auch das Umfeld ein anderes war.

Ein intensiveres ehrliches darüber Austauschen, wie wir gelebt haben, wie Alltag war, halte ich für wichtig – möglichst vorurteilsfrei. Das könnte das Miteinanderreden erst wirklich ermöglichen.

Wäre doch eine feine Sache…finde ich. Mein Wort zum Sonntag und zum Neuen Jahr. Ich habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Wenn wenigstens ein Prozess dieser Art in Gang kommen würde…

Auf ein Neues (Miteinander) in 2024!

Neue Weiblichkeit…

…oder Gendern mal anders.

Der Siebenjährige erzählt vom nachweihnachtlichen Familienbesuch bei einer befreundeten Familie. Er habe bis in die Nacht hinein mit Amali gespielt. “Und dann hat sie mich geküsst. Ich habe mich bei Mama beschwert!” Er möge das nicht, erklärt er. Ich lache laut – nein, natürlich nur nach Innen.

Stunden später. Gespräch mit dem Erstklässler über die Schule. “Hort ist besser, da kann ich richtig spielen.” Aber ansonsten sei es okay, etwas zu lernen. Rechnen sei gut. Ich bin neugierig: “Wer sitzt eigentlich neben dir?” “Minka.” “Versteht ihr euch?” “Na ja.” Die Jungsfreunde kenne ich ziemlich gut. Zumindest vom Erzählen. Also frage ich, welche Mädchen er nett findet. “Sonia, Carina – aber die wollte mich auch schon küssen. Emilia und Luise.” Kurze nachdenkliche Pause. Die wollten auch schon küssen. “Na sag mal, was ist denn da los…”

In schöner sachlicher Nebensaechlichkeit wird ein wenig später eine Erklärung nachgereicht: “Die finden mich eben alle süß.”

Der Glueckliche…

Dann geht es wieder um Wesentliches. Um Ritter, Kämpfen und Fußball. Um Kuno, Dario und Albert.*

So ein Jungritter hat es nicht leicht.

(*Die Vornamen sind frei verwandelt.)

Ritterburgleben, die Schlachten werden links oben geschlagen

Nass statt weiß

Kurzer Anlauf, Sprung, platsch – es spritzt weitläufig ringsherum, einen langen Weg entlang. Meine Rettungsversuche gelingen nicht immer.

Ein kleiner Teich reiht sich an den anderen. Die Kinder sind glücklich, übermütig, voller Erwartung. Wir schreiben den 24.12.2023. Der Juengere gibt sich aufgeklärt. Er beschreibt sachlich den weihnachtlichen Vorgang. Während die Aeltere, ihn zurechtweisend, das Christkind bemüht.

Stunden später liegen sie beglückt, beschenkt und erschöpft in meinen Armen und lassen sich die Geschichte der “Alten Frau” erzählen. Sie lauschen, der Beschreibung wie diese Weihnachten erlebt. Es dauert nicht lange und sie rufen “Aber, das bist ja Du”. Unerwartet schlafen sie kurz danach auf der Stelle ein.

Ich lasse die Bilder des Tages noch einmal an mir vorüberziehen, während im Weihnachtszimmer das Kindlein in die Krippe gelegt wird.

Jetzt ist Weihnachten. Und ich versuche inmitten zweier raumgreifender Kinder und gefühlten 100 Kuscheltieren in den Schlaf zu finden. Die heilige Nacht 2023.

Warum Weihnachten weiß sein muss

Die Wetterpropheten mühen sich seit Wochen ab. Feinfühlig umschreiben sie die Wetterlage. Pflegen alle Hoffnungen, die nicht zerstört werden sollen. Und versuchen trotzdem ein vorsichtiges Maß an Realismus. Schließlich träumt ganz Deutschland von Weißen Weihnachten.

Ach wie lyrisch! Das Volk der Dichter und D…

Ach was, der Traumsatz überfliegt Europa bis ins fernnahe Amerika. Wie auf Abruf dudelt nun auch bei mir das „White-Chrismas-Dreaming“ vom heimatlichen Rundfunksender im Hintergrund.

Wir sind verliebt in die Bilder der weißverkleideten (Stadt)Landschaft. Eine himmlische Ruhe zieht mit dem Schnee ein, eine Ruhe, die uns oft so schwer fällt. Vielleicht ist es das, was unsere Sehnsucht nach einer weißen Weihnacht Jahr um Jahr befeuert.

Vielleicht packen wir einfach nur all unsere Träume von Harmonie, Frieden, Schönheit in die diese Handvoll Tage am Jahresende. Wenn noch das Schneeweiß dazu kommt, dann ist die Illusion perfekt.

Ich brauche meine Träume, noch mehr meine Visionen. Vor allem die, dass Menschen ihre Unterschiedlichkeiten nur noch friedlich bewältigen. Eine Illusion? Wahrscheinlich. Kann sein, dass ich, dass wir die paar weißen Weihnachtstage brauchen, um unsere Visionen nicht im Grau in Grau zu verlieren.

Ansonsten: Fangen wir doch mit dem inneren Frieden an und erlösen die Wetterpropheten vom allgemeinen Erwartungsdruck. Frohe Weihnachten Euch allen – schon mal am 3. Advent der Erwartung…

Der Vorab-Schnee Jahrgang 2023

Auf die Schliche gekommen

Ich versuche es immer wieder, mir auf die Schliche zu kommen. Nicht im Sinne von „ertappt“. Nicht mit diesem herkömmlichen negativen Touch, der in unserer Gesellschaft meist Usus ist. Mensch ertappt sich beim Naschen, (Not)Lügen, beim Undiszipliniertsein, bei irgendetwas nicht ganz so Edlem…Oh weh! Doch im nächsten Moment – gut und schön – alles auch wieder vergessen. Sei‘s drum!

Mir gehts mehr um Nachhaltigeres. Es versteckt sich in dieser etwas nebligeren Region des tiefsten Inneren. Nämlich dort, wo ich versuche, mich selbst besser zu verstehen. Um dann authentischer zu handeln. Mit mir im Einklang.

Ein Beispiel:

Ich nehme mir immer mal wieder vor, Morgens zeitig aufzustehen. Eigentlich kein Problem, ich bin meist 6 Uhr wach. So gegen Sieben wäre eine gute Zeit für Unerledigtes, für Besorgungen, im Sommer zum entspannten Schwimmen – zum Beispiel. Dann läge der Resttag in voller Schönheit vor mir und ich hätte Muse für kreative Dinge. Hätte.

Es gelingt nicht. Ich muss ja nicht mehr. Nur ab und zu gibt es ein Muss fürs frühe Aufstehen. Da ist es auch überhaupt kein Problem. Ansonsten scheitere ich immer wieder an mir selbst, trotz guter Argumente und noch besserer Absichten. Woran liegt es? Faulheit, Trägheit, Willensschwäche…?

Nach langem Hadern mit mir selbst ist mir klar geworden, dass es mir besser geht, wenn ich ganz allmählich in den Tag hinein schlittere. Auf den Vogelgesang, der mich auf frühen Wegen begleitet, verzichte ich nicht so gern. Aber dieses Allmählich ist wichtiger für mein Wohlbefinden, meine Energie.

Darüber musste ich mir erst mal klar werden. Ein langer Prozeß. Jetzt bin ich mir endlich auf die Schliche gekommen. Das tut gut. Denn ich muss mich nicht mehr über mich ärgern. Jetzt ist es einfach gut so wie es ist und akzeptiert, ich bin mit mir einverstanden. Irgendwie authentischer. Kraftsparend ist das auch.

Geschichten wie diese passieren immer in Situationen, wo ich etwas vor habe, und dann langstreckenmäßig drumherum eiere. In Situationen, in denen ich einfach nicht zu Potte komme. Dann ist tiefere Ursachensuche angesagt. Meist kommt es zur Erkenntnis und damit auch zur Erlösung. Die kann sehr unterschiedlich ausfallen. Doch:

Jedenfalls bin ich mir mal wieder auf die Schliche gekommen.

Gehend gelingt das am besten…das Mir-Auf-Die-Schliche-Kommen

Gefühle

Dieser Text liegt seit ungefähr drei Monaten im Entwurfsfach herum. Inzwischen erschüttern die Welt und mich ganz andere Probleme. Ich habe lange gezögert, diese Gedanken öffentlich zu machen. Sei’s drum, dann eben heute…:

Ich bin wütend. Ein Glück, dass ich gerade allein bin, sonst würden andere an meiner gehobenen Stimmungslage leiden. Gefühle dürfen nicht allzu sehr sichtbar werden. Der Konsens in deutschen Landen.

Nach innen weinen, das habe ich im Laufe meines Lebens gelernt. Meine Tränen waren nie erwünscht. Keiner hat jemals versucht, sie zu trocknen. Auch nicht als ich erwachsen war. Ich kenne die Geste der Zurückweisung in diesen Momenten nur all zu gut. Hoffentlich habe ich das nicht unbewusst und ungewollt bei meinen Kindern wiederholt.

Warum ich wütend bin? Zur Zeit reichen Kleinigkeiten in den Medien. Wer aus Ostdeutschland kommt, wird als Dissident und Geflüchteter und Widerstaendler wohlwollend akzeptiert. Der Rest darf sich dumm fühlen oder gar als Verbrecher, weil er trotz allem an eine ganz gute Idee geglaubt oder sie einfach akzeptiert hat. Ich fühle mich mehr denn je ausgegrenzt, weil ich im falschen Deutschland, in der falschen Familie geboren bin.

Respekt vor der anderen Biografie? Kaum. Massives Desinteresse lässt mich immer wieder verzweifeln. Bis heute. In einem Land zu leben, in das ich nicht wirklich gehöre, ist bitter. Ich bin mittendrin und doch voll daneben. Ich glaube beinah, dass Menschen aus anderen Ländern, bei allen Schwierigkeiten, deutlicher gesehen werden. Denn, ich bin ja Deutsche und nicht anders, im besten Fall ein bisschen komisch.

Die biografielose Deutsche. Die stört, wenn sie mal aufbegehrt, die verstört, wenn sie hartnäckig versucht, darüber zu reden. Passiert bei mir anfallartig, immer wieder mal. Es ist zum Heulen.

Es ist schwer, das eigene Selbstbewusstsein stets von Neuem aus anderen Quellen zu nähren. Ich bekomme es schon hin. Als Fremde, Dumme im eigenen Land…

Irgendwie fühle ich mich doch ganz gut in meiner neuen deutschen Heimat. Seit mehr als 30 Jahren. Ich nutze gern, die vielen neuen Möglichkeiten, die dazu gekommen sind. Ich bin gern unter angenehmen Menschen.

Aber, ich bin seelisch verarmt. Materiell sowieso, weil den meisten Ostdeutschen die Erbschaften fehlen, der Grund- und sonstiger Besitz. Eigentlich sterben wir ja sowieso bald aus. Nur, unsere Kinder treten leider dieses Erbe an.

Mittendrin und doch daneben. Es ist so eine Sache mit den Gefühlen……..

Die Vögel von Franz Marc

Unfassbar

Das Fernsehen zeigt Bilder von Geschossen für Panzer. Eine moderne cleane automatisierte Produktionsanlage. Im nächsten Moment ein riesiger Saal voller Anzugmänner, vor allem Männer. Sie diskutieren, verhandeln über Waffenlieferungen in ausreichender Menge. Für die Ukraine. Damit wird dann zerstört, was Menschen mühsam geschaffen haben, was sie brauchen, um in Frieden leben zu können. Menschen werden damit umgebracht, einfach umgebracht.

Mich interessiert nicht, ob es Zivilisten oder Soldaten sind. Alle sind Menschen. Geboren von Frauen, viele Jahre umsorgt von Familien. Und dann kommt so ein cleanes Geschoss und macht diesem Leben ein Ende.

Cleane Waffenproduktion, cleane Säle, cleane Menschen. Tote Menschen. Wir schreiben das zu Ende gehende Jahr 2023.

Ein machtbesessener Irrer, möglicherweise auch sehr Seniler kann nicht gestoppt werden. Nicht von all dem Cleanen, all den Gewichtigen im Saal?

Und ich darf zuschauen im Fernsehen vom bequemen Sofa aus: Soldaten, endlose Zerstörungen, schlimme Wunden in Lazaretten, Menschen, die nie wieder unter den Ihren sein werden. Ermordet.

Was ist das für ein unbesiegbares menschliches Gen, das nicht stirbt, und offenbar nicht ausrottbar ist? Sind wir denn wirklich machtlos? Zum Zuschauen und Verhandeln in cleanen Sälen verdammt? Und das sinnlose Morden geht weiter, während in meinem Umfeld neue Stolpersteine verlegt werden und alte geputzt. Erinnerungen an millionenfaches grausames Sterben bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Das 21. steckt noch in den Anfängen und es geht immer weiter.

Wollen Menschen nicht im tiefsten Inneren in Liebe und Geborgenheit ihre Fähigkeiten und Kräfte erkunden und weiterentwickeln? Statt den anderen umzubringen und siegend zu triumphieren wie seit Jahrtausenden? Vielleicht wissen sie es nur noch nicht? Und deshalb haben die Diktatoren, die Wahnsinnigen weltweit leichte Beute.

Unser Planet braucht starke und mutige Männer und Frauen – zum Überleben.

Nichts Schöneres unter der Sonne als unter der Sonne zu sein, so etwa schrieb Ingeborg Bachmann.

Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig. Ein mahnendes gigantisches Monument oder…eine Verherrlichung des Krieges und des Mordens? Mein Gefühl ist auch an dieser Stelle sehr zwiespältig.

Ostwestlich (16) Störfelder

Wir reden miteinander. Und wir reden aneinander vorbei. Im besten Fall merken wir es. Oder eben auch nicht. Das wahrscheinlich häufiger. Bei der Ost-West-Begegnung habe ich den Eindruck, dass das Aneinandervorbei sehr häufig passiert. Ich erlebe Stoerfelder, die eher im Unterbewussten ihr Unwesen treiben.

Jede(r) hat da so seine Strategie damit umzugehen. Vorausgesetzt ich bin mir dieser Problematik bewusst. Im Westen Deutschlands scheint mir das eher selten der Fall zu sein. Wenn Störungen auftreten, wird meist in die große Kiste der geläufigen Ostvorurteile gegriffen. Da gibt es, scheint mir, immer etwas Passendes. “Man” weiß ja Bescheid.

Im Osten des Landes ist es mit der Bewusstheit für das Problem des Aneinander-Vorbeiredens auch nicht viel besser. Schließlich sind wir schon mehr als 30 Jahre ein Volk. “Nun hör doch endlich auf damit!”

Nein, ich will nicht damit aufhören. Nein, weil meine Sehnsucht nach einem wirklichen Miteinanderreden – und einem verständnisvollem Verstehen zu groß ist.

Wir haben 40 Jahre in grundverschiedenen sozialen Systemen gelebt. Der Umgang im sozialen Umfeld war sehr verschieden. Das soziale Verständnis auch. Frauen hatten im Osten selbstverständlich alle Freiheiten, die sicher im Umsetzen auch nicht immer gelungen waren. Wir hatten sie Jahrzehnte früher als der Westen. Wer so aufgewachsen ist, agiert anders in der Welt. Nur so, zum Beispiel. Standesdünkel gab es auch im Osten. Aber überhaupt nicht vergleichbar mit dem in der westlichen Welt. Wir bringen alle unsere eingeübten Verhaltensweisen mit. Sie sind oft sehr verschieden.

Nur zwei Beispiele, die Aufzählung lässt sich endlos fortsetzen. Gerade beidseits in den Familien wurden andere Werte vermittelt, gelebt – weil eben auch das Umfeld ein anderes war.

Ein intensiveres ehrliches darüber Austauschen, wie wir gelebt haben, wie Alltag war, halte ich für wichtig – möglichst vorurteilsfrei. Das könnte das Miteinanderreden erst wirklich ermöglichen.

Wäre doch eine feine Sache…finde ich. Mein Wort zum Sonntag und zum Neuen Jahr. Ich habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Wenn wenigstens ein Prozess dieser Art in Gang kommen würde…

Auf ein Neues (Miteinander) in 2024!

😌Erleuchtung