Glaubhaft

Ich stecke bis über beide Ohren in diesem ganzen, schon fast kriegerischen Politik-Gerangel unserer Tage. Wahrscheinlich die meisten von uns. Meine Überzeugung: Alles schreit nach grundlegendem Wandel. Doch die Gesellschaft ist dafür nicht reif, sie ist noch ziemlich weit davon entfernt. Es gibt einen Drang zum Konservieren.

Und ich selbst? Ich habe keine Angst vor großen Veränderungen. Schon mal gehabt und irgendwie überlebt. Ideale korrigiert, aber nicht aufgegeben. Grundsätzlich habe ich eher Angst vor Stagnation und dem Festschreiben von Althergebrachten. Und vor dem dabei Immer-weiter-im-Sumpf-zu-versinken. Zum Beispiel im Autosumpf. War nicht seit mindestens einem Jahrzehnt abzusehen, dass der Umgang mit und der Bedarf an Autos, sich grundlegend verändern werden. Warum wurde nicht schon lange strategisch neu gedacht? Neue Schritte überlegt? Ich verstehe es nicht. Jetzt ist das Geschrei groß, jetzt wo die Autoindustrie massiv und unübersehbar schlingert.

Ich komme beim Grübeln immer noch zu keiner schlüssigeren Vision: Eine Experten-Regierung plus drei „Gurus“, die das Ganze diplomatisch und vor allem weisheitsvoll managen. Weitblickend und glaubhaft.

Himmlische Perspektiven und Weihnachtszauber – ein wenig Ablenkung, ein wenig schöner Hokuspokus für die Gefühle, wenn sie denn aufkommen im Gewühle…

In Sackgassen und Strudeln

Ich bin gegenwärtig immer wieder dabei, mir das Nachdenken zu verbieten. Wenn gar nichts mehr dagegen hilft, dann gerate ich in den Sog eines Computerspiels. Denn wohin die Gedanken auch wandern, am Ende lande ich in einer Sackgasse oder in einem wirren Strudel. Ich kann das ganze deutsche Politik-Gedoens nicht mehr hören. Macht endlich Schluss mit der sinnlosen Streiterei und werdet konstruktiv, möchte ich schreien. Und denkt doch mal ein paar Nummern größer und weiter als Wahlkampf. Wo wollen wir enden? In einer lebenswerten Zukunft, im Klimaabgrund oder im totalem Chaos der Chaoten? So kann es doch nicht weitergehen. Am Ende der Strippen ziehen die Haie des Geldes und der Wirtschaft die Fäden und reiben sich über den täglichen Kleinkrieg freudig die Hände.

Was bleibt? Ohnmächtig zusehen? In Gottes Namen hoffen? Im Inneren dagegen halten, wenn draußen nichts mehr geht?

Ich will nicht bestreiten, dass da auch in der Politik noch eine Menge Redlichkeit im Spiel ist. Aber die schützt vor Kurzsichtigkeit nicht. Bitte versucht doch mal miteinander zu reden, freilassend zuzuhören. Wenigstens das.

Der Advent ‘24 naht – was können wir erwarten…

Kurz geblickt: Wohlig warme Weihnachtstage, vielleicht. Oder mit Elon Musk auf den Mars fliegen? Es ist schon schwierig, ein Dorf umzusiedeln, das von Geroellmassen bedroht ist – aber ganze Länder und mehr? *

  • Vorsicht Sarkasmus

Keine Sackgasse, nur ein Novembertag anno 2024

Egoistisch dankbar

Heute ist Volkstrauertag. Worum trauern wir? Um die, die gegangen sind? Oft zu früh, viel zu früh. Dazu brauche ich keinen solchen Tag. Die mir nahe waren, sind es jetzt noch. Das ganze Jahr. Für mich sind sie noch immer lebendig, sehr lebendig und begleiten meinen Lebensweg weiter. Ansonsten lebe ich schon immer mit dem Gedanken, dass unser Sein auf dieser Erde unwiderruflich endlich ist.

Meine Trauer hat eine andere Dimension. Meine Seele, mein Geist weinen. ICH weine, weil Menschen noch immer ihren Hass- und Rachegefühlen folgen und morden, sich gegenseitig morden und Kriege ausbrechen lassen.

Ich bin so unendlich meinem Schicksal dankbar, dass ich fast 75 Jahre in friedlichen Landen leben durfte. Und sehen durfte, was Gutes – ich meine nicht Unkompliziertes – unter solchen Bedingungen gedeihen konnte.

Freilich, der Krieg war immer nah. Ich erlebte noch als Kind Trümmer und Ruinen in meiner Stadt, die allmählich wieder zu einer lebendigen Stadt wurde. Und ich wuchs mit einem Vater auf, der ein Leben lang versuchte, seine Kriegserlebnisse zu verarbeiten. Um dann mit fast Neunzig weinend vor einem riesigen Kriegsgräberfeld zu stehen – vor Augen auf den Steinen Geburtsjahrgaenge, identisch mit dem seinen.

Doch weiter weg tobten in meinem Leben auch Kriege und begleiteten mein Leben: Vietnam, Iran, schon näher Ex-Jugoslawien. Jetzt leben um mich herum Menschen, die aus der bekriegten Ukraine geflohen sind. Israel und Palästina sind weiter weg und doch erschreckend nah.

Meinen Enkeln wünsche ich so sehr, dass auch sie in einem friedlichen Land weiter wachsen und sich entwickeln dürfen. Dass Träume wahr werden und dass Frieden kein Traum ist. Und die Kraft, dass sie dazu beitragen und ihr Schicksal annehmen können.

Nicht nur am Volkstrauertag: Verwandeln wir Tränen in Energie für ein friedliches Miteinander!!! Es darf nicht aussichtslos sein.

Nachtrag zur Seelenhygiene

Nachtrag zur Seelenhygiene

Einen Aspekt zum produktiven Streiten habe ich heute Morgen ausgelassen. Mehr oder weniger bewusst. Aber, spontane Reaktionen zeigen mir, ich muß noch ein wenig ergänzen.

Meine beiden Anreger Lanz & Precht waren auch ganz meiner Meinung, dass es bei einem guten Streit nicht nur in sanften Tönen zu gehen muss und kann. Dass es auch mal heftig werden darf. Und dass sich so Aggressionen adäquat artikulieren dürfen. In diesem Sinne meine ich, dass auch diese Gefühle – denn dabei handelt es sich um Gefühle – ihren Platz in unserem Leben haben dürfen, ja müssen. Der innere Kraftakt, immer erst zu glätten, bevor ES ‚raus darf, den schaffe ich nicht immer. Als Dauerübung macht er schlichtweg krank. Es kann doch nicht sein, dass nur in Fußballstadien und bei Konzerten gebrüllt werden darf. Wenn ich wütend oder zornig bin, dann sind das authentische Gefühle, meine Gefühle, die sich so artikulieren. Damit soll niemand ´runter gemacht oder gar vernichtet und niedergebrüllt werden. Ich zeige etwas von meinem Inneren und mache mich damit verletzbar. Das wiederum ist doch ein ziemlicher Vertrauensbeweis! Oder?

Problematisch wird es doch nur, wenn ich mich umgehend angegriffen und verletzt fühle, das Gefühl des Anderen persönlich nehme. Statt zu hinterfragen: Was bewegt den Anderen und auch warum fühle ich mich angegriffen… Letzteres hat, da bin ich mir sicher, mit meinen eigenen ungelöst schwelenden Problemen zu tun. In den seltensten Fällen, beim Mobbing zum Beispiel, will jemand einen anderen fertig machen. Doch mein Thema war produktives Streiten.

Streitkultur – welch schöne Wortschöpfung – kann doch nicht WEICHSPÜLEN bedeuten. Sollte diese Wortschöpfung nicht herausfordern, den Dingen wirklich auf den Grund zu gehen? Und braucht es dazu nicht Verstand UND Gefühl? Wie artikuliert sich Freude, Glück, Liebe, wie Trauer, Wut und Zorn? Unsere Welt ist nicht nur schön, auch nicht nur dunkel. Meist leben wir in den vielen Zwischentönen.

Also, bitte lasst uns streiten, bis die Fetzen fliegen und dann bei einem entspannten Spaziergang die Atmosphäre wieder lächelnd reinigen…

Also, bitte lasst uns streiten, bis die Fetzen fliegen und dann bei einem entspannten Herbstspaziergang die Atmosphäre wieder lächelnd reinigen…

…zum Beispiel bei einem Herbstspaziergang am Wasser…

Seelenhygiene und Erkenntnisgewinn: Der Streit

Ich klaue heute mal. Aber eigentlich nicht so richtig, weil es schon sehr lange meine Gedanken sind. Manches habe ich auch schon so geschrieben. Aber heute kann ich mich mal auf gewisse Autoritäten berufen. Ich glaube, dann habe ich bessere Chancen erhört zu werden. Und irgendwie wäre mir das lieber als das dauerhafte Selbstgespräch. Ich spreche von Lanz & Precht, ihrem heutigen Podcast vom 25.10.2024, Ausgabe 164. Es geht ums Streiten im Großen und im Kleinen.

Mir persönlich geht es in der Auseinandersetzung nie, wirklich nie, ums Gewinnen oder gar vernichten. Erkenntnisgewinn, das unbedingt. Doch soweit komme ich kaum, weil alles schnell persönlich genommen und als Angriff verstanden wird.

Die beiden interessanten Gesprächspartner im Podcast unterscheiden zwischen produktivem Streit und kleinteiligem Zank. Letzteres sollte man meiner Meinung nach Kindern in unterschiedlichen Entwicklungsphasen überlassen. Doch das, was von der Politik nach außen dringt, hat oft den Geschmack von Gezänk. Wenn schon Parteien die Grundlagen unserer Demokratie sind, dann sollten sie doch vorführen wie konstruktives und produktives Streiten geht. Oder?

Können wir als Gesellschaft und wir persönlich eigentlich zu uns selbst in Distanz gehen? Oder auch mal über uns lachen? Die Engländer haben letzteres ein bisschen von Natur aus, zu mindest im Privaten, verinnerlicht. Dafür liebe ich sie.

Wird eigentlich heute an den Schulen eine Debattier-Kultur geübt? Ich hätte es mir zutiefst in meiner Schulzeit gewünscht. Der (verdorbene) Sozialismus machte daraus eine Unmöglichkeit. Sind wir heute besser? Wo sind die Grenzen heute? Wie können wir Feindschaften reduzieren?

Im Podcast wurde ein Gedanke (ich hab‘ vergessen von wem) zitiert, den ich bemerkens- und bedenkenswert finde. In etwa so: Nicht zugelassene Gegnerschaft führt zu Feindschaft. Ich finde, dass dieser Gedanke ziemlich in die ganze AFD-Debatte passt. Und eigentlich auch zum Kriegsthema im weitesten Sinne. Will ich den Gegner (oder besser mein Gegenüber) niederringen, vernichten oder im sportlichen Kampf die besseren Argumente finden?

Für einen Erkenntnisweg sind immer alle oder beide Positionen wichtig. Schwarzweiß hat da keinen Platz. Wie auch im Leben überhaupt. Es hat was mit dialektischem Denken zu tun. Eine gute Polemik zeugt von einem tieferen Interesse für den Anderen. Ich glaube, dass erst in diesem Bereich wahre Empathie möglich ist. Und auch ein guter Kompromiss oder gemeinsam errungene neue Positionen. Positionen, die im besten Fall ein Hauch von Zukunft in sich tragen. Und noch ein mir sehr wichtiger Gedanke aus dem Podcast-Dialog: Je wichtiger mir der Andere ist, desto mehr streite ich. Reibung erzeugt Wärme, Nestwärme. In Abgrenzung zur eingeübten Kuschelkultur. Solch eine Art Streit, nach dem wir anschließend lachend zusammen einen Kaffee trinken, wünsche ich mir. Seelenhygiene wurde das im Gespräch genannt.

Rot – die, eine Farbe des Herbstes – er ist letztlich sehr bunt. Das sollten auch unsere Gespräche sein…

Das wär doch mal ein Weihnachtsgeschenk! Nur noch etwa acht Wochen, dann ist es wieder mal so weit.

Heute jedenfalls habe ich nur bedingt bei Lanz & Precht geklaut, bedingt weil es auch meine Gedanken sind. Die beiden haben für mich vieles noch mal deutlicher auf den Punkt gebracht.

Ansonsten wollte ich heute Morgen eigentlich zum Klassentreffen fahren oder Putzen…Jetzt brauche ich erst mal ein bißchen Sonne.

Die Segel streichen

Gestern waren Grunewald und Wannsee vor lauter bunten Segeln kaum noch zu sehen. Ich übertreibe nur ein winziges Bisschen. Ein faszinierend schöner Anblick. Der Kapitän der Fähre war nicht zu beneiden. Er musste sich buchstäblich durch einen Segelwald schlängeln, um nach Kladow zu kommen. Die Segler ihrerseits bekamen oft gerade noch fünfzig Zentimeter vor der Fähre die Kurve. Ich weiß nicht wie man das im Fachjargon nennt. Richtig spannende Momente für die mitfiebernden Beobachter. Bei strahlender Sonne, blauem Himmel und gerade noch sanftem Wind ein gelungener Abschied aus der heiteren Saison der vielen Möglichkeiten.

Jetzt geht es mit Riesenschritten immer tiefer in die Dunkelheit. Erwartungsvoll? Warum nicht…

Ostwestlich (22)

Eigentlich wollte ich mit dem Thema aufhören. Eigentlich. Selbstschutz. Aber nun doch noch ein Nachtrag zum letzten Ostwestlich. Da Jahrestag war, wuselt es noch reichlich durch die Medien. Einen Beitrag zum Thema, der Gestern (10.10.) beim RBB im Hauptprogramm gesendet wurde, möchte ich in der Mediathek empfehlen. Es ging um das Ostwest-Thema und die Rolle der Medien, um Zerrbilder und die Quellen aus denen aktuelle Befindlichkeiten gewachsen sind. Auch über den Wessi-Blick auf den Osten. Und die vermeintlich seltsamen Menschen im Osten.

Was mich selbst immer wieder beschäftigt, da nahezu täglich damit konfrontiert:

Ich habe das Gefühl – und nicht nur das -, dass ich mich mitten in einem großen Spiel befinde, aber Spielregeln nur begrenzt kenne und daher nicht beherrsche. Ein ungutes Gefühl. Und es macht so auch keinen Spass, weil ich dabei zum Fremdkörper mutiere.

Außerdem: Wir sprechen die gleiche Sprache und meinen oft doch etwas anderes. So passiert es seit Jahrzehnten, dass ich mit schöner Regelmäßigkeit in Fettnäpfchen, besser Fettnäpfe trete. Es bestimmen eben die Westnormen alle, aber auch alle, Spielregeln. Mit perfekter Anpassung lässt sich dieses Problem auf die Dauer nicht lösen.

Also: Reden wir endlich MITEINANDER und verabschieden uns von dem Glauben alles zu wissen. Und denken wir zusammen auch mal darüber nach, wie es ist, unter gleichen Bedingungen mit ungleichen Voraussetzungen zu leben.

Die Hoffnung bleibt: Schließlich ist jetzt nach 35 Jahren dieses Thema endlich ein bisschen zum Thema geworden. Mal sehen, wenn ich noch dabei bin, wie es in fünf Jahren zum 40. Jubiläum aussieht.

Lichtvolle fantastische Illusionen in diesen Tagen in Berlin, dieses Spektakel der Illusionen mag ich…

Wieder mal: Ich freue mich

Ich freue mich, dass heute Morgen die Sonne geschienen hat. Über Stunden. Dass ich einen schönen Herbst mit allen Fasern meines Seins spüren kann. Dass das Weinlaub auf dem Balkon sich allmählich in tiefes Rot verwandelt. Dass meine Fenster neue Farbe bekommen. Dass ich mich in meiner Wohnung noch immer wohl fühle. Dass ich bald meine Enkelkinder wieder sehe.

Und dass um mich herum eine friedliche Welt ist ohne Raketen, Detonationen, ohne massenhaftes Sterben…

Ich bin froh, dass ich den Rest der Welt mal für eine Weile ausblenden kann.