Füße im Sand

Mit den bloßen Füßen im Sand zu laufen, das ist für mich ein unglaubliches Gefühl. Der Sand ist jetzt, am Abend, schon ein bisschen warm. Die Sonne hat den ganzen Tag geschienen und den inzwischen fast sanft gewordenen Ostwind vergessen lassen.

Der Sand schmeichelt den Füßen. Er macht mich lebendiger. So direkt mit der Erde verbunden zu sein, welch ein Vergnügen. Mal ist er weich und fast pudrig, dann erstaunlich fest, um mich im nächsten Moment in einem feuchten Loch verschwinden zu lassen. Schließlich rieselt er zwischen den Zehen.

Ich möchte losrennen, springen, mich einfach in das weiche Etwas fallen lassen.

Geht leider nicht mehr. Aber, barfuß am Meer – das geht. Wieder mal ein Geschenk des Himmels, eine Köstlichkeit.

NACHdenken

Nachdenken: über soeben Gehörtes, Gelesenes, über eigene Wahrnehmungen und Empfindungen? Oder fremde Gedankengänge nachvollziehen, sie womöglich verinnerlichen, also nachdenken? Betonung auf ‚nach‘.

Ich finde, beim Verinnerlichen kann es gefährlich werden. Sehr gefährlich. Weil…sollten wir nicht nach unseren eigenen Gedanken, das meint aus unserer Substanz heraus leben?

Für andere Gedanken und Ideen offen zu sein, das ist sehr wichtig. Nur sollten sie über kurz oder lang verdaut werden. Verdauen heißt individualisieren. Etwas zum Nur-Mir-Eigenen machen. Nichts anderes. Jeder Organismus holt sich aus dem Verspeisten, was er und nur er zum Leben braucht. Und wie er es braucht. Er verwandelt. Mit den Gedanken sollte es nicht anders sein.

Ein pures Nachdenken und „Oh ja, das ist es!“ ausrufen und dem folgen – das muss irgendwann ins Chaos führen. Ich glaube, dass es krank macht. Der mühevolle Weg des Verarbeitens muss beginnen. Den kann nur ich in Gang bringen. Mein ICH ist gefordert, herausgefordert.

Querdenken kann dabei hilfreich sein. Aber danach hilft manchmal nur noch ein Kräuterschnaps. Um das Chaos zu klären , das unvermeidlich folgt. Unverdauliches muss ausgeschieden werden.

Klare Sicht ist nicht verallgemeinerbar

Graublau, leuchtend

Überall stehen sie im Ort: freundliche graublau leuchtende Bänke nebst eingeholzten Papierkörben in der gleichen Farbe. Ich mag diese Farbe sehr mit der ich unwillkürlich das Meer assoziiere. Ich mag die einladende Freundlichkeit dieser öffentlichen Möbelstücke.

Wie oft muss ich in der Großstadt beides suchen. Bis sich schließlich der Müll in der Jackentasche verewigt und dann im besten Fall der Bus mit einem freien Sitzplatz kommt.

Hundeleben (7)

Ich bekomme allmählich Komplexe. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine feuchte Hundeschnauze sich aufdringlich meinen Beinen nähert. Klar, da ist auch der Gedanke: Der könnte ja zubeißen. Meist bleibe ich in diesen Momenten selbstdiszipliniert.

Das Problem packt mich an anderer Stelle. Ich grüble, teste, ob ich womöglich naja spezielle Gerüche verströme. Oder habe ich vielleicht irgend etwas Hundemagisches an mir? Was das auch sein könnte. Ich will ja nicht allzu mystisch werden. Auf jeden Fall bin ich als – derzeit passive – Katzenliebhaberin wenig mit der Welt der Hunde vertraut.

Für Anregungen zum Weitergrübeln bin ich dankbar.

Die Hundemütter und -Väter der betroffenen Hunde verstören mich auch regelmäßig. „Das macht er sonst nicht!“ Ist die ständige verbale Reaktion. Mal freundlich, entschuldigend, mal ziemlich aggressiv und alles was dazwischen liegt. Doch da bin ich schon beim nächsten Kapitel meiner Selbstzweifel und unbeantworteten Fragen

Vielleicht hilft mir ja ein Dackelbuch weiter

Meer-Ergänzung, heute

Und über mir kreist eine unglaublich weiße Möwe. Einsam und allein. Schon eine ganze Weile. Sie kreischt nicht, wie die meisten aus ihrer Sippe. Sie erzählt… Wie schade, dass es keine App zur Übersetzung der Möwensprache gibt.

Das Paradies so nah. Ich fühle mich in der Schöpfung und inmitten der Elemente geborgen. Und vergesse erst einmal, was mich ein wenig später in den Tagesnachrichten einholen wird.

Karfreitag

Das Wetter, so wie es sich für diesen Tag gehört. Grau, dunstig, Nieselregen. Ich will Kunst. Kunst an der Ostsee. Und bleibe an bunten Haustüren, farbigen Häusern mit Reetdächern hängen. Am Ende lechze ich nur noch nach Wärme, nach etwas Wärmenden. So gegen 10.30 Uhr scheint genau das ein Unding. Bis ich die Bäckerei entdecke mit einem gemütlichen Café…und komme langsam zu mir. Für die Kunst reicht es nicht mehr. Der Bus fährt etwa im 90-Minuten-Takt. Ich muss mich sputen. Born auf dem Darss. Ein gelungener Ort.

Noch mehr Meer

Ich bin durch den Wind. Keine Redewendung, sondern Wirklichkeit. Alles weggepustet aus dem Kopf. Manchmal sagt man etwas einfach so dahin, ohne es direkt einmal erlebt zu haben. Mein erstes Mal, dass der Wind Sieger bleibt.

Auch mein erstes Mal: Mister Wind verwandelt den Meeresschaum in Schneegestöber, das über den Dünenweg weht. April, April! Nein, so war’s heute.

Und ich weiß immer noch nicht, ob ich angekommen bin…

Das Meer

Es ist wild. Ab und zu ungezügelt. Jeden Tag neu. Es ist ein Bild und ist voller Bilder. Es ist Magie pur. Am schönsten ist es bei Sonnenuntergang. Eine Silberspur breitet sich dann vom Horizont her aus. Schon einige Kilometer vor der Küste kommt mir sein betörender Duft entgegen. Er lockt mich… Und dann stehe ich am Strand und höre ein ganzes Orchester. Jetzt bin ich endgültig Gefangene eines Naturwunders. Alles fällt von mir ab.