Ostwestlich (11)

Das Thema hatte ich zuletzt Ende Mai an dieser Stelle bewegt. Lange her. Aber, es bewegt mich. Nicht ständig, aber immer wieder. Und ich muß auf mich aufpassen, dass ich mich nicht ärgere.

Weil, na ja… Ich fühle mich, nein, ich bin ziemlich allein damit. Zumindest in meinem Umfeld. Alle Versuche, die damit verbundenen Befindlichkeiten zu thematisieren scheitern. Stets von Neuem. Wenn ich versuche, mal ein Gespräch darüber anzuregen, ernte ich genervte Blicke oder ein deutliches Nein. Man/Frau will nicht darüber sprechen, dass wir doch irgendwie anders sind.

Weil, sie wollen es nicht wahrhaben. Es ist erledigt. Längst Gras drüber gewachsen. Und: Wir sind doch nun längst Eins.

Nein!!!!!!!! Nein, sind wir nicht. Wir sind unterschiedlich aufgewachsen, haben anders gelebt und erlebt. Die Umgangsformen waren oft andere. Die Werte auch. Deshalb reden wir oft aneinder vorbei, mißverstehen uns und könnten doch so viel voneinander lernen. Beidseitig, meine ich. Ostseitig haben wir es getan. Mussten wir es auch tun, um weiterleben zu können. Doch hätten wir doch auch einiges zu bieten.

Ich meine es nur ein bißchen ironisch: Vielleicht zeigt sich ja in der derzeitigen Krise anno 2022, was wir besser können, was wir mehr geübt haben.

Ein Thema wäre, aber nur eines von vielen: Aus dem Vorhandenen etwas machen, sich selber helfen, die Ressourcen nutzen. Ich finde, dass das keine Armutsthemen sind. Für mich gehören sie auch irgendwie in den moralischen Bereich… Schon immer.

Eine Skulptur irgendwo im Osten Berlins auf einem Spielplatz, ich finde sie spricht ohne Worte – über so viel….

Hundeleben 12

Ich mag Animalprints. Nicht immer, aber irgendwie. Deshalb schaue ich irgendwie interessiert, eher unbewusst auf das Weiß mit den schwarzen Flecken etwa anderthalb Meter vor mir in der Sbahn. Nur der Ausstiegsbereich dazwischen.

Dann dreht es sich um: Ein waschechter Dalmatiner sitzt vor mir. Regelrecht und anständig wie es sich gehört auf einem der graugrünen Sitze. Er oder sie, die Dalmatinerin(?), schaut genauso fasziniert wie ich. Aha, sinniere ich und greife zum Smartphone, um ungeniert zu fotografieren.

Herrchen, wie ich später beim Aussteigen bemerke, unterhält sich angeregt mit dem Hund.

Schon wegen solcher Erlebnisse lohnt es sich Sbahn zu fahren.

Herbstzeitlosigkeit

Der September hat uns keine Chance gegeben, die Badesaison langsam ausklingen zu lassen. Jetzt scheint sich der Oktober entschuldigen zu wollen. Das Thermometer steigt über die 20 Grad und verwirrt. Aber warum nicht, es macht Spaß bei diesen Temperaturen, den Herbstzauber zu bewundern. Die Augen ertrinken in den Rot- und Goldtönen. Noch hat sich das Grün nicht verabschiedet. Ich versuche nicht an Kälte und bevorstehende Dunkelheit zu denken. Zeitlosigkeit…so mag ich es. Die Gedanken wollen nicht in die Welt der Tagesthemen und Wirrnisse.

Ich freue mich, dass es nun in Potsdam ein Museum für die DDR-Kunst gibt. Demnächst…

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Gänsehaut

„In Berlin kannst du alles trainieren. Sogar deine Gänsehaut.“, grüßte eine neue Riesenschrift vom ICC. Ich fuhr mit dem Bus einem Gänsehaut-Tag entgegen. Auf jeden Fall wurde es einer. Im Laufe der folgenden Stunden war ich immer wieder überwältigt von der Schönheit der Havellandschaft. Nur ein gutes Viertelstündchen vom Tohuwabohu der Millionen-Metropole entfernt, räkelt sich der Fluss in der Landschaft. Unschuldig, (fast) unbegrenzt – ein Labsal für Augen und Seele. Einige Kilometer lang. Gänsehaut-Training in der sich preisenden Sportmetropole.

Herbstmomente an der Havel

Vogelfrei

Die Gedanken sind frei. Sind sie noch frei, wenn ich sie aufschreibe? Nein, sind sie nicht. Sie sind dann wahrhaftig vogelfrei. Jeder kann dann damit tun was ihm beliebt. Hineininterpretieren, aneignen, verdrehen, verstümmeln…

Das wird zu negativ.

Vielleicht freut sich ab und an jemand an meinen Gedanken, lässt sich anregen, sogar begeistern. Das wäre für mich inspirierend.

Wir schreiben den 3.Oktober 2022. Ich schreibe immer noch in einer anderen Welt. Ich möchte sie gern zu meiner machen. Aber dazu müsste auch etwas von meinem Ureigensten gefragt sein. 40 gelebte Jahre, die nicht gefragt sind. Oft verspottet, verurteilt, gar verhöhnt werden. Die irgendwie nullundnichtig sind. Schade und ein bisschen traurig, aber nur ein bisschen.

Meine Gedanken am Tag der Deutschen Einheit anno 2022.

NATÜRlich

Traurige Alltagshelden

Ich lebe zur Zeit mit Alltagsdingen, die schlichtweg kaputt sind. Das Wort kaputt gefällt mir besser als defekt. Entzwei klingt für mich irgendwie nach Kinderstube. „Das Spielzeug ist entzwei gegangen.“ Tränen dazu und ein bisschen schlechtes Gewissen. Denn Kinder machen ganz gern und ziemlich bewusst etwas entzwei. Manchmal als Ventil für eine Wut, öfter wohl aus lauter Entdeckerdrang. Was steckt denn in diesem kleinen hüpfenden Blechfrosch drin? Das ist viel spannender als das Gehuepfe auf die Dauer.

Aber ich war nicht wütend und auch nicht neugierig. Leider. Trotzdem sind Staubsauger und Drucker schlichtweg kaputt. Ohne sie kann ich nicht bequem leben. Warum eigentlich? Auch eine betrachtenswerte Frage. Jedenfalls habe ich beide alten Freunde nach einigen Reparaturversuchs-Abenteuern schweren Herzens ersetzt. Übrigens passt das Wortungetuehm sehr gut zu dem, was ich dabei erlebt habe.

Jetzt stehen die alten Gefährten, die mir viele Jahre lang treu ergeben waren, im Weg. Stolpersteine für Augen und Füße. Doch – irgendwie habe ich sie lieb gewonnen. Der Eleganz des alten Akkustaubsaugers verweigert sich der Neue. Wir sind bisher keine Freunde geworden. Die Vorstellung vom Container-Platz lähmt mich….

So viel Worte und Gefühle für Dinge. Na ja, tröste ich mich, da steckt doch eine Menge geistiger Input drin, viel Material, Ressourcen, die ja eigentlich geschont werden müssen. Dringend. Doch soweit ist die Welt noch nicht. In der entstehen erst Mal Wort-Ungetüme:

REPARATURVERSUCHS-ABENTEUER

Die traurigen Helden

Schneckisch

Es kommt wieder Wasser vom Himmel- welch Segen! Das tröstet trotz Kälte und Ungemütlichkeit.

Den großen dicken braunen Schnecken scheint es zu behagen. Sie haben sich eingerichtet im Hofgeviert. Die eine malerisch im weißgruenen Blümchenwuchs. Die andere hat offenbar Schnupfen. Ein verlorenes Papiertaschentuch scheint passend zu sein. Auch sie hat es sich gemütlich gemacht. Das hat etwas. Wir freuen uns an der Schönheit unserer Mitbewohnerinnen.

Und einig sind wir uns auch: Im Garten haben wir sie mit allen denkbaren Mitteln verjagt. Ein wenig schuldbewusst verabschieden uns.

Der Herbst setzt sich in Szene

Ein köstliches Blumenmeer vor dem Barberini. Die Landesgartenschau hat einen Ausflug nach Potsdam unternommen. Drin im Bildermuseum gerinnt die große weite Welt in Formen und Farben. New York und Paris und…lassen grüßen. Die „Form der Freiheit“ nach 1945. Aufregend, was das Großformatige, expressiv Farbige, Abstrakte mit mir macht. Das Herz geht auf, die Seele taumelt, ich kann mich kaum losreißen.

Und draußen scheint noch mal kräftig die Sonne nach dem sie so schnell – und mit uns gnadenlos – das Feld der Kälte überlassen hat.

Im Grunewald steigen Menschen mit Körben voller Pilze ein.

Auf dem See mitten in der Stadt präsentieren sich Reiher und Schwan in trauter Zweisamkeit zum Fotoshooting.

Als ich an der Kirche vorbei gehe scheppert es gewaltig, die Eicheln fallen vom gewaltigen Baumwunder.

Und an der Hauswand fängt das Rot der Weinblätter langsam aber sicher durchzudringen.

Willkommen Herbst, wenn ich auch gern noch ein wenig mit dem Spätsommer geflirtet hätte. Und noch ein letztes Mal in diesem Jahr die Füße und den Rest ins Seewasser getaucht hätte.

Draußen und Drin – Mix

Zeitloch

Ich werde das Gefühl nicht los, in einem Zeitloch zu verschwinden. Es ist grenzenlos und fühlt sich an wie die Unendlichkeit. Ohne Jetzt und Hier, ohne Gestern und Morgen. Ich verliere mich und weiß nicht mehr wer ich bin.

Ich spüre die Querelen der Jahrzehnte und fühle gleichzeitig das Universum der ersten Zwanzig davon.

Die Mitte meiner Zeit ist etwas diesig, aber gleichzeitig greifbar. Beim Danach-Greifen wird sie konkreter, schon fast gegenwärtig. Ich ertappe mich beim Plaeneschmieden und weiß nur allzu gut, dass es jetzt auf etwas anderes ankommt. Ich will losgehen und bleibe stehen. Ist da doch ein Rand am Zeitloch…???