Traurige Alltagshelden

Ich lebe zur Zeit mit Alltagsdingen, die schlichtweg kaputt sind. Das Wort kaputt gefällt mir besser als defekt. Entzwei klingt für mich irgendwie nach Kinderstube. „Das Spielzeug ist entzwei gegangen.“ Tränen dazu und ein bisschen schlechtes Gewissen. Denn Kinder machen ganz gern und ziemlich bewusst etwas entzwei. Manchmal als Ventil für eine Wut, öfter wohl aus lauter Entdeckerdrang. Was steckt denn in diesem kleinen hüpfenden Blechfrosch drin? Das ist viel spannender als das Gehuepfe auf die Dauer.

Aber ich war nicht wütend und auch nicht neugierig. Leider. Trotzdem sind Staubsauger und Drucker schlichtweg kaputt. Ohne sie kann ich nicht bequem leben. Warum eigentlich? Auch eine betrachtenswerte Frage. Jedenfalls habe ich beide alten Freunde nach einigen Reparaturversuchs-Abenteuern schweren Herzens ersetzt. Übrigens passt das Wortungetuehm sehr gut zu dem, was ich dabei erlebt habe.

Jetzt stehen die alten Gefährten, die mir viele Jahre lang treu ergeben waren, im Weg. Stolpersteine für Augen und Füße. Doch – irgendwie habe ich sie lieb gewonnen. Der Eleganz des alten Akkustaubsaugers verweigert sich der Neue. Wir sind bisher keine Freunde geworden. Die Vorstellung vom Container-Platz lähmt mich….

So viel Worte und Gefühle für Dinge. Na ja, tröste ich mich, da steckt doch eine Menge geistiger Input drin, viel Material, Ressourcen, die ja eigentlich geschont werden müssen. Dringend. Doch soweit ist die Welt noch nicht. In der entstehen erst Mal Wort-Ungetüme:

REPARATURVERSUCHS-ABENTEUER

Die traurigen Helden

Schneckisch

Es kommt wieder Wasser vom Himmel- welch Segen! Das tröstet trotz Kälte und Ungemütlichkeit.

Den großen dicken braunen Schnecken scheint es zu behagen. Sie haben sich eingerichtet im Hofgeviert. Die eine malerisch im weißgruenen Blümchenwuchs. Die andere hat offenbar Schnupfen. Ein verlorenes Papiertaschentuch scheint passend zu sein. Auch sie hat es sich gemütlich gemacht. Das hat etwas. Wir freuen uns an der Schönheit unserer Mitbewohnerinnen.

Und einig sind wir uns auch: Im Garten haben wir sie mit allen denkbaren Mitteln verjagt. Ein wenig schuldbewusst verabschieden uns.

Der Herbst setzt sich in Szene

Ein köstliches Blumenmeer vor dem Barberini. Die Landesgartenschau hat einen Ausflug nach Potsdam unternommen. Drin im Bildermuseum gerinnt die große weite Welt in Formen und Farben. New York und Paris und…lassen grüßen. Die „Form der Freiheit“ nach 1945. Aufregend, was das Großformatige, expressiv Farbige, Abstrakte mit mir macht. Das Herz geht auf, die Seele taumelt, ich kann mich kaum losreißen.

Und draußen scheint noch mal kräftig die Sonne nach dem sie so schnell – und mit uns gnadenlos – das Feld der Kälte überlassen hat.

Im Grunewald steigen Menschen mit Körben voller Pilze ein.

Auf dem See mitten in der Stadt präsentieren sich Reiher und Schwan in trauter Zweisamkeit zum Fotoshooting.

Als ich an der Kirche vorbei gehe scheppert es gewaltig, die Eicheln fallen vom gewaltigen Baumwunder.

Und an der Hauswand fängt das Rot der Weinblätter langsam aber sicher durchzudringen.

Willkommen Herbst, wenn ich auch gern noch ein wenig mit dem Spätsommer geflirtet hätte. Und noch ein letztes Mal in diesem Jahr die Füße und den Rest ins Seewasser getaucht hätte.

Draußen und Drin – Mix

Zeitloch

Ich werde das Gefühl nicht los, in einem Zeitloch zu verschwinden. Es ist grenzenlos und fühlt sich an wie die Unendlichkeit. Ohne Jetzt und Hier, ohne Gestern und Morgen. Ich verliere mich und weiß nicht mehr wer ich bin.

Ich spüre die Querelen der Jahrzehnte und fühle gleichzeitig das Universum der ersten Zwanzig davon.

Die Mitte meiner Zeit ist etwas diesig, aber gleichzeitig greifbar. Beim Danach-Greifen wird sie konkreter, schon fast gegenwärtig. Ich ertappe mich beim Plaeneschmieden und weiß nur allzu gut, dass es jetzt auf etwas anderes ankommt. Ich will losgehen und bleibe stehen. Ist da doch ein Rand am Zeitloch…???

Langsam kommen…

…die Gedanken wieder und die lebenswichtigen Sätze. Sie bleiben hängen und beschäftigen den Geist, der aus dem Sommerschlaf nur mühselig wieder erwacht. Ich versuche, Gedanken festzuhalten, ehe sie sich wieder verflüchtigen.

Ich lese den Satz: „Ich sehe meinen Körper also als mein Instrument, auf dem ich mein Leben spielen kann. Mir wurde klar, wie wenig ich mein eigenes Instrument kenne.“

Bei meiner Enkeltochter ist das Klavier die Konstante, das Cello wurde wieder verabschiedet, jetzt darf die Klarinette erklingen. Und ich zitiere weiter: „Ich bin einfach nur auf der Suche nach meinem Instrument und wie ich es bespielen muss. Vielleicht muss ich eher sagen, man ist eigentlich ein ganzes Orchester, spielt manchmal nur ein Instrument, aber man hat den Kontrabass und das Saxofon in der rechten Hosentasche.“

Das ist ein Bild real und innerlich zugleich. Und es bewegt mich. Weiß ich inzwischen genug über meine Instrumente und wann und wie ich sie einsetze? Was kann ich alles mit meinen Gegebenheiten anfangen (auch was nicht) und wie setze ich sie ein, möglichst gekonnt?

Das ewige Lernen packt mich gerade wieder am Schopf.

Die Temperaturen sinken…

…und die Unternehmungslust kehrt langsam zurück. Die Gedanken hoffentlich auch. Aber bitte alles langsam. Noch lockt der baumumstandene See mit seinem warmen Wasser, das himmlische Wunder. Der Herbst soll Bitteschön nicht allgewaltig einbrechen und uns überrumpeln. Bitte, Ihr da oben in den himmlischen Weiten gönnt uns noch bisschen Verlängerung. Das zauberhafte Sommertheater, lasst es noch eine Weile gewähren. Ich weiß, der September kann das, wenn er nur will….

Hundeleben 10

Zum 10er Hundeleben ein Endlos-Thema: Hundekacke. Die Kids amüsieren sich gerade über ein Riesenposter mit einem wundervoll gekringelten Riesen-Hundekot-Haufen neben einer Bank. Das Liebespaar darauf ist entsetzt. Die Kinder rätseln beim Anblick des Posters. Aber sie kennen das Thema nur zu gut. Mitten im Park und in der Stadt ist Aufpassen stets angesagt, als ob Großstadt nicht schon stressig genug wäre. Ich habe das Gefühl, dass es schon mal besser war als im Augenblick. Die Haufen mehren sich. Vielleicht ist die Hitze schuld und jede Bewegung zu anstrengend. Dann kann es ja nur wieder besser werden.

Ich habe immer ein Bild vor Augen: Mütterdemo, alle lassen ihre Kleinkinder auf die Straße kacken, Geh- und Fahrwege. Wehrhaft. Müsste mal jemand organisieren. Aber bitte vorher polizeilich anmelden. Ob es eine Genehmigung geben wird?

Mal abgesehen davon: Die Kinder lieben es, das Wort Kacke in den Mund zu nehmen, genußvoll versteht sich. Der Anlass ist zwielichtig….

Die lauen Sommernächte…

…segnen uns noch immer. Ich bin, glaube ich, langsam genusssüchtig. Der Name „Wandermüd“ hatte etwas Magisches. Und der Ort, an dem die Gruppe musizieren sollte auch. Also Karte im Netz, ohne groß nachzudenken, gebucht.

Nicht weit entfernt von bereits beschriebener Preußen-Gloria, fast um die Ecke, steht die Neue Nationalgalerie. Sie ist schön. Ich erlebe das neue architektonische Kleinod jedes Mal neu, anders. Dazu gehört auch der Skulpturengarten, der in diesem Sommer an den Sonnabenden in alter Tradition wieder musikalisch gesegnet wird. Nach langen Schließungsjahren des Hauses .

Ich sitze auf einer Treppenstufe, wie viele andere auch. Von den Skulpturen ist vor lauter Mensch nicht mehr viel zu sehen. Auch von den Künstlern nicht. Sie haben zu Bildern aus der Galerie, Klangwerke entwickelt. Tolle Idee. Bei mir kommt davon leider nicht viel an. Vielleicht hätte das jeweilige Bild auf einer großen Leinwand erscheinen müssen, so dass Hören und Sehen ganz ideal verschmelzen.

Doch neben mir hat sich eine Lady in meinem Lebensabschnitt niedergelassen, nebst Baby und jungem Paar. Wir plaudern. Die laue Nacht, die Kulisse des Potsdamer Platzes, die der Kirche, der Philharmonie verwandeln sich mit schwindendem Licht im Zehn-Minuten-Rhythmus. Es wird alles Eins: die Musik, der Garten, die streichelwarme Luft, die Stadt mit ihren neuen Höhenflügen, das plätschernde Gespräch. So geht Multitasking auch, allerdings im Sinnesrausch statt zielstrebigem Tun.

Am Ende noch ein halbes Stündchen in der nächtlichen Galerie, die sich allmählich füllt. Ich bleibe bei den Surealisten hängen. Bei ihrem Spiel mit den Unmöglichkeiten. Es ist schön. Es war einfach alles „nur“ schön.

Anschließend: An ausfallende Busse und Bahnen habe ich mich in den letzten Wochen allmählich gewöhnt. Jungen Männern, die gerade ein praktisches Problem damit haben, empfehle ich, sich doch zu bewerben. Sie schauen mich verdutzt an.

Impressionen in der Neuen und um die Neue Nationalgalerie rundherum