Regenbögen und Dissonanzen

Es gibt Tage zum Davonlaufen. Manchmal wird auch eine Woche daraus. Dann fällt es schwer, die Regenbögen zu sehen und dem Wechselbad der Gefühle stand zu halten. Doch es gibt sie, auch wenn es Anstrengung kostet, mich darauf einzulassen.

Es begann Gestern Abend. Die Zehnjährige ist zu Besuch. Wir vertrödeln den lauen, schon ziemlich sommerlichen Abend auf dem Balkon beim Abendessen und Musikhören. Ich bin verblüfft, wie sich unser Musikgeschmack ähnelt. Sie fragt ab: Kennst du das und das und das? Vieles davon kenne ich. Die kleine Grazie fängt an zu tanzen. Als wir endlich im Bett liegen, tanzt plötzlich im Dämmerlicht eine Gestalt neben mir auf der Matratze. Die Musik dazu wird aus diesem kleinen Multitalent, das ich gerade zum Schreiben benutze, gezaubert. Ein wundersamer Moment, der vielleicht eine Viertelstunde in die Dunkelheit hinein andauert. Ich bin wieder hellwach und genieße…

Irgendwann ist das Kind dann tief und fest eingeschlafen, während ich in eine schlaflose Nacht hinein meditiere. Doch auch die geht vorbei. Und nach dem Frühstück geht der Tanz auf dem Balkon weiter.

Zwei, drei Stunden später freue ich mich -!wieder allein – auf ein ausgiebiges Schwimmen in der Stille des ringsum bewaldeten Sees. Ich genieße es auch. Aber aus der Stille wird nichts. Der vertraute Strand ist blockiert von Menschenmengen mit blaugelben Fahnen, die in stimmgewaltigen Sprechchören, das Ende des Krieges einfordern. Zumindest habe ich es so verstanden. Ich hoffe nur, dass die Kraft der Gedanken, die Wünsche dorthin trägt, wo sie gehört werden müssen. Das macht die Lautstärke in der Mitte des Sees erträglicher.

Und ich frage mich, ob es mir zusteht, im Augenblick dieses Stück unerträglicher Wirklichkeit ausblenden zu wollen. Frieden zu suchen, wenn nicht weit weg Menschen sterben, getoetet von Waffen mit futuristischen und fast romantischen Namen, die auch in Deutschland hergestellt werden. Die aber kaum ein Kriegsende herbeiführen werden. Dazu braucht es, bin ich mir sicher, ganz andere Kräfte……

Später in der S-Bahn um mich herum , wie immer, viele russisch klingende Laute. Aber auch spanische und englische. Ich komme ohne die Betriebsstoerungen vom Morgen schnell nach Hause. Unten im Park spielen junge Mädchen in pastellfarbenen bodenlangen Gewändern und weißen Kopfverhuellungen Fangen. Die eine bekommt den weißen Schal ihrer Freundin zu fassen, der sich etwas aufdröselt und schnell wieder zurecht gerückt ist…es sieht wie ein Tanz aus. Eine große freundliche Picknickrunde auf der Wiese bietet arabische Optik und Laute. Ich bin wieder in Gedanken bei der tanzenden Enkelmaus.

Das Wechselbad der Gefühle hört nicht auf. Und die Spannung in mir auch nicht.

Das ist alles Berlin und ist heute und das bin ich mit meiner Geschichte.

Ohne Kommentar

Als ich am Abend die Unterlagen für die bevorstehende OP lese, fällt es mir schon wieder schwer, den Zauber der Regenbogenmomente herbei zu rufen. Dieses Mal wird die Versehrtheit sichtbar werden. Gegen diesen Schmerz komme ich kaum an. Ich halte optische Dissonanzen schon immer schlecht aus.

Randbemerkungen 25

Ich denke immer wieder mal darüber nach, was Diplomatie eigentlich ist. Mir wurde und wird Diplomatie immer als erringenswerte Fähigkeit gepriesen. Ich hadere mit mir, weil mir dann andere Gedanken kommen. Ist ein Diplomat nicht so eine Mischung aus Schlitzohr, Ganove und Edler Ritter? Im besten Fall ein genialer Mix daraus. So oder so. Ich mag das nicht. Ich kann und könnte das nicht.

Jedenfalls werde ich wohl doch bei meinem Mix bleiben: realistisch, idealistisch verbunden mit einer guten Portion Naivität. Also: Nicht besonders tauglich für den Alltag in dieser Welt.

Ich bin dann eher für Natur und Natürlichkeit: eindeutig und vieldeutig, wahrscheinlich absichtslos

Glücklicher Morgen

Auf dem Balkon sein.

Die wärmende Sonne im Gesicht.

Rings um mich ein Frühlingsblumenmeer.

Im Farbenrausch versinken.

Nichts muss heute sein, alles kann.

Das Frühstück genießen.

Der Kaffee ist köstlich.

Zum Abschluss ein Stück vom augenblichen Lieblingskaese naschen…

…und einen Blick über die Balkonbruestung auf die bruetenden Schwäne werfen.

Drinnen wartet ein Tablett voller Farben.

Ich werde anfangen.

Berge und Meere

Mich als notorischen Stadtmenschen zieht es immer wieder ans Meer. Ich liebe den Geruch, der schon einige Kilometer vorher durch‘s Auto- oder Zugfenster weht. Ich liebe die Weite, wenn ich dann endlich am Meer stehe. Scheinbare Unendlichkeit erspüren, Weite, die Freiheit verspricht. Wohlfühl-Gefühle!

Vor unglaublichen Bergpanoramen stehe ich nur fasziniert. Ich will da nicht näher hin. Ich drehe mich um und gehe in die andere Richtung. Sie sind mir unheimlich, bedrückend, nur Ehrfurcht gebietend. Ich kann schlecht mit Autoritäten umgehen, mit den Selbsternannten oder denen, die es Kraft ihrer Position sein wollen.

Ja klar, das Meer hat es auch in sich. Ich habe großen Respekt vor ihm. Das aber hindert mich nicht daran, in Wohlfuehlmomenten weit hinaus zu schwimmen. Es öffnet mich, stimmt mich milde, weitet mir Herz und Seele. Vor riesigen Bergen fühle ich mich verloren. Das Meer ist meine seelische Heimat, genau genommen auch meine geistige.

Ich denke, dass es Berg- und Meermenschen gibt. So wie es Cat- und Dogpeople gibt. Katzen können das Gehorchen nicht, sie sind eigenwillig, stolz und unendlich verspielt, sie sind charmant und immer etwas unberechenbar.

Ich fange gerade an zu spinnen, was Meer und Katzen wohl gemeinsam haben. Obwohl – eine Katze am Meer habe ich noch nicht erlebt. Hunde schon….

Glücksmomente

„OOOOH! Ist das schön!“ So ganz spontan, der Ausruf der Zehnjährigen. Gerade war sie noch etwas nörgelig nach der langen und umständlichen Fahrerei. Ein wenig darüber hinweg half bereits die „beste Schokolade, die ich bisher getrunken habe“. Doch draußen blieb es dann weiter kalt und feucht.

Plötzlich der sattgrüne Hügel mit den weißen Skulpturen mitten im Park. Ich zeige auf den Wiesenhang bergauf. Wollen wir? Sie sorgt sich: Schaffst du das? Und sprintet bergauf. Ich will mir nichts beweisen, aber wissen will ich, ob es geht. Beidseitig eher ein sportliches Unterfangen. Wenn auch unterschiedlich motiviert. Wir schaffen beide unser Ziel. Dann stehen wir oben und schauen rundum in die noch stille Parklandschaft es folgt der zitierte Ausruf.

Ich freue mich. Wann staunt ein Kind schon noch über so etwas Naheliegendes? Staunt in unserem gesättigten, übersättigten Alltag. Einem Alltag, in dem es von allem meist etwas zu viel gibt. Das Zuwenig hat am ehesten mit Zeit zu tun. Mit Zeit für Nähe, Zeit zum Innehalten und Besinnen und eben auch zum Schauen.

Der Himmel bleibt an diesem Apriltag grau, es nieselt immer wieder. Doch der Funke ist übergesprungen. Von nun an machen wir uns gegenseitig auf Blumenschönheiten in den riesigen Tulpenbeeten aufmerksam, auf Frühlingsbäume, die sich allmählich entfalten. Das Fotografierauge hilft dabei und steigert die Entdeckerfreude.

Am Ende kommt eine lange Liste zusammen, weshalb wir unbedingt noch einmal die umständliche Fahrerei auf uns nehmen wollen.

Ein gelungener grauer, kalter Frühlingstag.

Von Oben…

Ostwestlich (15)

Dieser Text entstand nach einem Gespräch, bei dem ich wieder mal das Gefühl hatte, mich bei diesem Thema kaum verständlich machen zu können. Allerdings, wenn ich die Zeilen jetzt noch einmal lese, scheint mir, dass ich es nur sehr begrenzt klarer hinbekommen habe. Aber, das Thema bewegt mich sehr, um nicht zu sagen, dass es mich ziemlich aufwühlt. Deshalb möchte ich trotzdem diese vor kurzem aufgeschriebenen Gedanken teilen. Ich versuche, mich weiter zu sortieren, um es demnächst besser rüber zu bringen.

Liebe X., …die letzten 24 Stunden, wieder zu Hause und wieder mehr bei mir, spukte dann das Ost-West-Thema noch mal in meinem Kopf herum. Jetzt kann ich auch, glaube ich, ein bisschen besser vermitteln, was ich sagen wollte: Das Thema bedrängt mich, weil es um Ungerechtigkeit und Gerechtigkeit geht. Damit verbunden aber auch um viele große und kleine Ungerechtigkeiten. Vieles ist wie es (geworden) ist und nicht zu ändern. Manches wäre moeglicherweise zu ändern, wenn erst mal ein Bewusstsein dafür entsteht. Allein schon mit diesem Bewusstsein wäre eine Menge gewonnen. Deshalb möchte ich darüber ins Gespräch kommen.
Das Nicht-Gesehen-Werden, wie Du es genannt hast, spielt da auch mit hinein. Aber vor allem in einer größeren Dimension. Im Kleinen ist es natürlich auch mein persönliches Problem. Aber ich habe längst meinen Frieden damit gemacht, mich arrangiert und mich notwendigerweise auch angepasst- sehr bewusst. Was sich oft nicht besonders gut anfühlt, weil ich von meinem Wesen her zu Klarheit und Direktheit neige. Das ist allerdings der Punkt, wo ich oft auch schnell ungewollt verletzend werden kann. 

Aber da wäre ich im Bereich von Psychologie und eben auch der Biografiearbeit angekommen. Ich glaube, dass Biografiearbeit in unserem Land, dass aus zwei sehr unterschiedlichen Staaten gewachsen ist, eine Auseinandersetzung mit der jeweils anderen Realität in Vergangenheit und Gegenwart dringend erfordert. Sonst bleibt es bei einer Vereinnahmung der einen Seite durch die andere. In alten Zeiten haben die Sieger die Besiegten oft in großer Zahl umgebracht und völlig unterworfen. Sie wussten, denke ich, genau warum sie es taten. Das ist erfreulicherweise nicht passiert und ja eigentlich nicht mehr zeitgemäß. Aber es passiert auf andere Weise durch massive Ignoranz der Wirklichkeit der Besiegten, ihrer Geschichte bis heute. Außerdem möchte ich zu bedenken geben, ging der Aufbruch und Ausbruch aus dem System von der am Ende dann vereinnahmten Seite aus, vom Osten, der einstigen DDR.
Und die nun wieder hatte viele, viel mehr Facetten als gemeinhin bis heute sichtbar geworden ist und wird.
Sorry, jetzt höre ich auf, es sollte kurz werden – jetzt bin ich langsam im Romanbereich angekommen.

„Im Vakuum verschwinden“ hatte ich dazu im April 2020 geschrieben

Das ist kein Karfreitagthema…

…aber heute ist ja erst Donnerstag.

Von Berlin nach Basel und zurück reisen und das zweimal ohne Flieger. Ich habe es ausprobiert. Einmal Tags mit Flixtrain und einmal Nachts mit der Bahn. Die Bilanz fürs Erste:

Flixtrain ist schneller. Und auch noch preiswerter als jedes Sparticket der mir vertrauten Bahn. Und freundlicher. Ich habe nur rundum nettes Personal erlebt. Eine Kostbarkeit für mich. Im angenehmen Plauderton wurde ich per Durchsage auf alle Unwägbarkeiten des Bahnsteiges hingewiesen, erfuhr warum und wie eine Verspätung zustande kam und wie sie am Ende wieder ausgeglichen sein wird. Und einiges mehr. Auf diese Weise lässt sich ein komplett gefüllter Zug besser aushalten. Auch die Mitfahrenden waren umgänglich. Und es war sauberer. Problematisch die defekten Toiletten. In beiden Fällen.

Ob mir eine sehr freundliche Schaffnerin lieber ist als ein nicht vorhandener, also keiner, der mal mein Ticket beäugt – darüber muss ich noch nachdenken.

Außerdem grübele ich schon lange darüber, wer sich solche unmenschlich engen Reise-Wagen ausdenkt, wo das Sitzen auf langen Strecken zur Folter wird, gleichsam jede Bewegung in den Gängen. Und ich frage mich für welche Menschengattung die extrem hohen Gepäckablagen konzipiert sind. Die Moderne stelle ich mir da anders vor. Menschlicher statt ökonomischer. Wenigstens Beides.

Fakt ist: Osterferien- und Feiertagsbetrieb ist kein Zuckerschlecken. Aber manchmal geht es eben nicht anders.

Bilanz: Ich weiß nicht, ob ich mich noch mal auf die Bahn einlasse, zumindest auf dieser Strecke. Wenn, dann eher der Flixtrain.

Und das war dann die Belohnung fürs Durchhalten

Spinnen und Meditieren

Alles um mich herum meditiert. Was hat es eigentlich damit auf sich?

Als der Begriff und die Seminare dazu noch nicht so geläufig waren, habe ich von mir behauptet, dass ich gern und oft spinne. Leider hatte und hat dieses Wort einen negativen Touch. So in Richtung überdreht oder gar ’nicht alle Tassen im Schrank haben‘ plus allem was so an Deutungen dazwischen liegt.

Für mich hat es schon immer etwas mit Phantasie zu tun. Ihr einfach mal freien Lauf lassen. Und damit, den Ideen und Träumen Raum geben. Unbeirrt und unbegrenzt von irgendwem und irgendwas, einfach bei mir sein. Im Kontakt mit meinem tiefsten Inneren – frei von Äußerlichkeiten und äußeren Zwängen.

Bei mir sein – endet dort das Meditieren oder fängt es da an? Geht es da weiter, wo ich gern anfange vom Spinnen zu sprechen?

Oft ist es wohl so, das weiß ich aus vielen Gesprächen, dass an vorderster Stelle das zur Ruhe kommen steht. Die meisten wollen dem Gedankenkarussell entkommen. Möchten den eigenen und den von außen aufgedrückten Willenskapriolen Einhalt gebieten. Endlich mal wieder der eigenen Mitte nah sein, sich spüren.

Bei mir fließen dann in solchen Momenten die Ideen wie von allein. Ich fühle eine unglaubliche Freiheit. Mir scheint, dass eine höhere Macht ordnet, was in mir ist, es in neue Beziehungen setzt. Jetzt spinne ich, es entsteht ein neues Gewebe. Das passiert alles INNEN. Ob das Gewebe außentauglich ist – das wäre dann ein neues Thema.

Meditierend spinnen, spinnend meditieren, würde ich sagen. Am besten gelingt mir das bei nervender Alltagsroutine wie Staub wischen, putzen. Ich frage mich gerade, warum ich mich trotzdem immer wieder dazu überwinden muss…

Auf jeden Fall: Buddha- oder Yogi-Sitz muss nicht sein. Auch kein teurer Meditationskurs. Aber Zeit zum Putzen.

Der Zeit, dem Raum entfliehen…

Ein bisschen…

mehr Sonne, ein bisschen weniger Schnee, ein bisschen mehr Lust auf Heute, ein bisschen weniger von den Bakterien und Viren – das Fruehlingspaket kann bald geschnürt werden. Hoffentlich. Hoffentlich nicht nur nach dem kalendarischen Eintrag! Ich sehe gelassen die Staubpartikelchen auf dem Sonnenstrahl tanzen und freue mich, bald den Balkon in Frühlingsstimmung zu bringen.

Den kleinen wilden Eichhörnchenbiestern zum Trotz. Die toben und verwüsten. Noch sieht die Freiluftoase wie ein Schlachtfeld aus. Schlammige Erdschichten von heruntergerissenen Blumentöpfen, Scherben…Ich träume von einer großen Schale mit einer Sommerblumenwiese, von Kletterndem, Rankendem in allen Farben.

Noch passiert das alles auf meinem Schreibtisch in einer Samentuete😎

Aktuell: Die Miniatur-Zitrone auf dem Fensterbrett

Aufschrei!

Es ist unglaublich: Die verheissungsvoll schmerzlindernden Tropfen verweigern mir den Dienst. Beim ersten Mal habe ich alles nur meiner momentanen Schwäche zugeschriebenen – wenn auch mit leisen Zweifeln.

Erst sollten die Ohren beruhigt werden, heute nun die Nasennebenhöhlen und sonstigen Gänge. Erwartungsfroh begann ich die Aktion. Nichts Flüssiges lief in Nase und Rachen. Ein ungutes Gefühl fing an, sich breit zu machen. Optimist von Natur, nahm ich mir den Kilometerlangen Beipackzettel vor. Hoffend, einen erlösenden Hinweis zu finden. Ich bin gnadenlos erschöpft und muss mich erst mal ausruhen.

Vor vier Tagen habe ich eine Dreiviertelstunde und Brachialgewalt und einen lädierten Daumen gebraucht, um den Sicherheitsverschluss zu überrumpeln.

Ich bin wieder im Erschöpfungsmodus. Wer einen hilfreichen Hinweis zu bieten hat, wird sich unsterblich verdient um mich machen. Vielleicht bin ich ja einfach nur zu doof für die Ideen der Pharmaindustrie.

Das bisherige Waffenarsenal nebst ungelöstem Problem