Harmonie Crash

Ich bin verkehrtherum. Alle wollen Harmonie. Ich auch. Es ist einfach schön, wenn’s harmonisch zugeht. Doch ich neige zum Crashen.

Weil ich bisher davon überzeugt war, dass Harmonie als Ergebnis am Ende des Weges steht. Oder auch, weil ich es bis vor kurzem für selbstverständlich hielt, dass Streit und Auseinandersetzungen harmonisch enden können. Nicht unbedingt deshalb, weil alles geklärt, eingeebnet, harmonisiert ist. Sondern weil ich es für selbstverständlich hielt, dass wir uns mit vielen unterschiedlichen Sichten begegnen. Dass wir darüber sprechen, etwas von uns zeigen und uns so näher kommen ohne zu egalisieren. Deshalb provoziere ich auch gern mit einer konträren Sicht, meiner Sicht.

Ich habe dazu gelernt. Genau das geht nicht. Es wird kaum ausgehalten, wenn es mal einen Moment im Raum ungemütlich wird, wenn es knirscht und knistert. Die Angst wird spürbar, wahrscheinlich weil das Kuschlige verloren gehen könnte.

Es geht dann auch wirklich verloren, weil sofort die Schlichter auf den Plan treten, um zu glätten und um die vermeintliche Harmonie zu retten. Manchmal mag das ja auch ganz gut sein. Doch unter der Decke (oder dem Deckel?) knistert es weiter.

Aber, jetzt das berüchtigte ABER: Ist Streiten nicht etwas durch und durch Produktives? Hilft es nicht beim Weiter- und Klarerdenken? Bringt es nicht neue Erkenntnisse und mich dazu, meine Sichten zu hinterfragen oder noch besser zu vermitteln?

Komme ich meinem Gegenüber nicht näher, wenn ich mehr von ihm weiß? Von seinem Anderssein. Voller Respekt versteht sich. Und wenn wir trotz aller Unterschiede am Ende zusammen lachen können…

Ich habe dazu gelernt, halte öfter den Mund, um mir und anderen Unannehmlichkeiten zu ersparen. Das gelingt nicht immer.

Doch bleibe ich rat- und hilflos: Streitkultur scheint ein Fremdwort. Im besten Fall eine Floskel.

Wo bitte wird sie gelehrt und geübt, die Streitkultur? Im Spannungsfeld von Harmonie und Crash.

Und wieviel hat das alles mit dem Sich-Bekriegen zu tun?

Ein Mensch im Spannungsfeld – über Crash-Situationen zur Harmonie?

Beben

Die Erde bebt.

Der Krieg lässt Menschen und Häuser erbeben.

Brauchen wir alle ein inneres Erbeben, um der Zerstörung Einhalt zu gebieten?

Oder ist Zerstörung ein geistiges Gesetz, wie jüngst jemand feststellte?

Daran glaube ich (nur bedingt) Gläubige nicht.

Ich glaube weiter an den Menschen und die Hilfe von oben.

Ist ein Erdbeben (völlig unwissenschaftlich) ein Aufbegehren der Natur?

Und das Wüten von Menschen? Hilflosigkeit oder mächtiger sein wollen als alles auf der Welt? Auch ein Aufbegehren…doch gegen was?

Wie wird der Mensch immer menschlicher? Erforscht das auch jemand?

Bei aller Wissenschaft, das wünsche ich mir.

Young Hero

Wir schauen zu wie eine riesige Krähe die Petersilie auf dem Winterbalkon malträtiert. Sie scheint wütend, suchend. Nach und nach fliegen die zarten grünen Winterpflänzchen mit Schwung nach unten. Ob sie findet, was sie sucht? Die Wurzeln der Silie oder Nussvorräte der Eichhörnchen?

Auch ich bin zunehmend wütend je mehr von meiner gehüteten Petersilie auf die Flugbahn gerät. Der Knabe auch. Er stürmt ins Nebenzimmer und holt aus den Playxmobilvorräten Lanze, Schwert und Pfeil. „Ich verjage sie“, verkündet er voller kindlichen Heldenmutes.

Es gelingt. Dem entsetzlichen Gebrüll ergibt sich der Vogel, der gewöhnlich als Begleiter von Zauberern und Hexen erscheint. Aber auch Weisheit wird ihm nachgesagt.

Der junge Held ist stolz und strahlt voller kindlicher Freude. Er hat gesiegt.

Ich frage mich wie sein weibliches Pendant reagiert hätte…

Die Gerupfte

Alles Bio oder was…

Ich kaufe eher, wenn Bio drauf steht. Am liebsten, wenn es schon an der Ladentür steht. Klappt leider nicht so oft. Sei’s drum. Das Signal ist bei mir längst angekommen. Gesünder leben ist sinnvoll.

BIO die Zauberformel. In der eigenen Biografie steckt sie auch im Wortstamm diese Zauberformel. Es geht um Lebendiges, Wandelbares, Wachsendes, sich Entwickelndes. Es geht um die ewige Frage „Wer bin ich?“ und „Was suche ich hier auf diesem Planeten?“ Ob ich es allmählich immer besser herausfinde? Ein schwieriges Unterfangen. Und doch: Es ist spannend wie ein guter Krimi und am Ende auch noch gesund für Leib und Seele.

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten dem eigenen Geheimnis auf die Spur zu kommen. Ich kann mich in die Gedankengänge der Philosophen vertiefen und Aha-Erlebnisse haben. Ich kann auf meine Vorfahren schauen, wie sie ihr Leben angepackt haben. Ich kann Romane lesen und ihren Intentionen folgen. Ich kann auch einfach dem folgen, was mir geschieht und mich herausfordert. Möglicherweise bin ich dann immer noch fragend, vielleicht verwirrt oder noch verwirrter. Die Frage bleibt und beschäftigt mich immer wieder mal.

Meine Biografie erscheint mir wie ein Buch mit Sieben Siegeln. Warum geschieht mir das, was treibt mich an, woran scheitere ich immer wieder? Höre ich tatsächlich auf meine innere Stimme? Oder ist mein tiefstes Inneres belagert von all den anderen Stimmen, die von außen kommen? Von Gepflogenheiten, Regeln, Normen und all dem, was mich tagtäglich beeinflusst?

Doch geht es um mein Leben, meine Biografie. Um mein Lebendigwerden. Um das Gesunde und Gesundende im Leben. Eben BIO.

Es gibt Hilfe. Leute, die um die Gesetzmäßigkeiten im Lebenslauf und um einige Geheimnisse dahinter etwas mehr wissen. Drei Jahre lernen und üben sind dafür notwendig. Für einigermaßen professionelle Biografiearbeit. Welch haessliches Wort. Ich würde zeitgeistmäßig das Ganze „Biography-Crime-Worker” nennen. Da müssten doch alle drauf fliegen, all die Kenner der Krimi-Endlos-Schleifen im Fernsehen.

Die ewige (Bio)Frage: Wer bin ich?

Ostwestlich (16)

Was willst Du eigentlich?

Ja, das weiß ich schon, wenn die Frage auftaucht. Das Problem ist, dass meine Fragen nicht die Fragen der Anderen sind. Sie sind westsozialisiert, ich ostsozialisiert. Da gibt es deutliche Unterschiede. Aus dem deutschen Osten kommend, habe ich mich zwangsläufig mit dem Leben im Westen Deutschlands befassen müssen, auch beruflich. Immer wieder versuche ich mich dahineinzudenken. Das war und ist spannend. Ich bin sehr dankbar für diese Herausforderung und dass es so gekommen ist, wie es ist.

Doch gibt es bis heute unzählige bewusst gewordene Missverständnisse und unbewusste. Wirklich problematisch ist, dass meine „West“-Freunde und Bekannten, sich nie mit dem, was ich gelebt habe auseinandersetzen mussten. Sie leben weiter in ihrer Welt, mit gutem Recht. Und leider auch mit all den abgenutzten Klischees und dem ziemlich beschränkten Medienbild.

Aber, ich wünsche mir Begegnung, die über all das hinausgeht. Unter diesen Voraussetzungen geht das nicht, kann das nicht gehen. Die Ostwirklichkeit unter dem Deckel der sozialistischen Idee und ihrer (in Frage zu stellenden) Ideale, die war genauso vielfältig und differenziert wie die Westliche. Auch genauso viel oder wenig opportunistisch, angepasst, idealistisch.

Genau dort müsste, glaube ich, bewertungsfrei das Gespräch miteinander beginnen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es letztlich im Leben um moralische Werte geht, über die niemand einfach so verfügt. Sie müssen geübt, gelernt werden.

Dieses Bündel von Fragen (und noch viel mehr), müssen wir, denke ich endlich anfangen gemeinsam zu beantworten. Suchend, jenseits vom Mainstream. Ich will Begegnung. Das wünsche ich mir so sehr.

Im Osten, will ich mal behaupten, mussten wir uns unter dem Zeichen einer Diktatur, diesen Herausforderungen viel häufiger stellen. Wo sind meine Grenzen, wie wahrhaftig bin ich noch? Wie bleibe ich mir treu und kann trotzdem in den gegebenen Verhältnissen leben? Ich konnte nicht auf die Straße gehen zur Demo und laut sagen „Das passt mir nicht!“. Gab es andere Wege? Wie sahen die aus?

Aufständig

Das wird jetzt etwas Esoterisches, beinahe Lästerliches. Genau genommen ist es das für mich eigentlich nicht. Also, was mir heute Morgen so durch den Kopf ging, der nach dem Infekt erstmalig klarer daher kommt:

In meinem Leben gab es mindestens drei Auferstehungen. Ohne Himmelfahrt. Ist die vierte dann mit Hi……? Oder habe ich ein himmlisches ABO auf Auferstehung ohne? Das ist zwar alles ziemlich anstrengend, aber, wenn ja, danke dafür.

Vielleicht geht es noch um das seelische Auferstehn. Das könnte noch eine Menge Arbeit, wahrscheinlich Kraftakte mit sich bringen. Hätte ich aber durchaus Lust dazu.

Ich werde mich wohl für den Workshop im März anmelden. Der könnte dabei helfen.

„Der Quilt meines Lebens“ hatte ich vor fast drei Jahren während des Lockdowns darunter geschrieben. Was fehlt noch? Mehr von dem hellen warmen Rot. Das bestimmt. Und noch?

Ostwestlich (13)

Schon wieder die „13“. Am letzten Freitag, den 13., hat mich ein heftiger Infekt erwischt, der gerade wieder abklingt. Nein, ich bin überhaupt nicht abergläubig – oder doch vielleicht ein bißchen. Ich spiele halt mit dem Phänomen, wie immer.

Deshalb schreibe ich jetzt einfach über etwas ganz und gar Harmloses. Wir haben den 3. Januar. Ich bin mit Enkelkind zum Neujahrsspaziergang verabredet. Wir genießen die Fährüberfahrt auf dem Wannsee nach Kladow. Natürlich spielen wir, wie so oft, dass wir beste Freundinnen sind und tauschen uns über unsere Familien aus. Ja, wo ist denn dein Mann werde, ich gefragt. Den habe ich auf eine lange Dienstreise geschickt, schon lange. Mir ist zu dem Thema einfach nichts mehr eingefallen. L. liebt dieses Spiel. Wir sind angekommen. Die bunten Eisbuden locken noch immer. Doch sie sind geschlossen. Wir einigen uns auf ein verdientes Essen nach der Wanderung und los geht es. Es gibt so viele kleine und große Schönheiten am Weg zu bewundern. Die Luft ist klar und dann scheint auch noch die Sonne. Uns geht es gut. Aber dann kommt es langsam, das Bedürfnis nach einer Pause und der knurrende Magen. Bei der fünften geschlossenen Gaststätte kriechen wir mehr als das wir gehen und finden dann irgendwann an der Hauptstraße einen Luxus-Italiener. Nicht gerade geplant. Wenn es denn schon so ist, genießen wir das Essen und das wirklich schöne Ambiente. Das Kind hat sich für einen voluminöses Crepe entschieden mit allen möglichen Leckereien. Ich bin bei Gnocchi gelandet, allerdings mit Trüffeln, so ziemlich das Preiswerteste.

Meine Gedanken verlieren sich in Erinnerungen. Wir wandern im Thüringer Wald. Ein warmer Sommertag. Ein größeres, ein kleineres Kind, das dritte in der Sportkarre. Die erste Pause an einem Bach. Es darf geplanscht werden. Die Brote schmecken, das Obst auch. Die Trinkflaschen leeren sich. Kaum andere Menschen am Weg. Der Wald schenkt Stille und reichlich Beute an Stöcken und Steinen für den sammelfreudigen Nachwuchs. Manchmal auch ein paar Beeren. Allmählich segnet uns die Mittagssonne mit Müdigkeit und HUNGER. Die Vorräte sind aufgebraucht. Doch der Wegweiser verspricht ein gastliches Haus. Glücklich erspähen wir es. In der Nähe Enttäuschung: Ruhetag. Noch gibt es mitten im Wald zwei weitere Versprechungen plus ein paar Kilometer dazu. Dann noch eine geschlossene Tür. Die Jüngeren quengeln, der Ältere wird unleidlich. Das dritte Etablissment hat geöffnet…und ist gnadenlos überfüllt. Irgenwann ergattern wir noch Bockwurst mit Senf und Brot und sitzen auf einer Holzbank vor der Tür. Die Küche war sozusagen ausverkauft. Trotzdem, mit nicht mehr leeren Magen konnten wir den Rest des Weges wieder genießen.

Hat das nun etwas mit Ostwestlich zu tun? Das Mysterium geschlossener Gaststätten und gleichzeitiger Ruhetage… Bockwurst und Luxusessen… Na ja…

Randbemerkung 24

Ich male nicht. Ich spiele, spiele mit Farben. Die, nach denen mir gerade der Sinn steht. Manchmal ist es ein Farbton in Variationen. Meist wird es ziemlich bunt. Es macht Spaß.

Doch dann spielt mir der Kopf einen Streich.

Plötzlich taucht mittendrin auf dem Papier ein Strichmänchen oder so etwas Ähnliches auf. Eine Geste, eine Bewegung.

Die Hand greift zum Kugelschreiber.

Plötzlich steht hintendrauf irgendetwas Sinnstiftendes. Meine Befindlichkeit. Wahrscheinlich…

Das nur so am Rande.

Auf Wieder Sehen – Wieder Sehen – Aufsehen – Wieder Aufsehen – Auf Wiedersehen – Wi(e)der sehen (1.1.2023)

Stoßgebet

In der Krise komme ich an meine Grenzen. Jetzt geht’s nicht mehr um Mich-Neu-Sortieren-Können, was ja immer geht. Jetzt muß ich. Gut so. Wenn’s nicht so schwierig wäre. Ich vertraue erst mal dem Schicksal. Das serviert mir oft das Gesuchte auf dem Goldenen Tablett. Hoffentlich mache ich nicht eine ungeschickte Bewegung, alles fällt zu Boden und wird unbrauchbar. Oder ich verschlafe die hilfreiche Geste. Ist das dann auch Schicksal? Aber, im Ernst: Ihr Himmlischen helft mir weiter! Ich bitte inständigst darum. Ich glaube an Euch. Aber, das wisst ihr ja schon.

Allen, die mich begleiten, wünsche ich ein Jahr voller Träume und Hoffnungen – auch wenn sich scheinbar nichts erfüllen sollte. Das Schöne und Gute muß gehegt und gepflegt werden.

Wo ICH den Guten Geistern am Nächsten bin